Fortschritt braucht Tradition – Fehler von einst sind Stärken von Heute

Der Grundstein hierfür wurde bereits 1927 gelegt. Aus kleinsten Anfängen heraus ist es zunächst dem Gründer Anton Waggershauser und anschließend dessen Sohn Ulrich Waggershauser und ihren Mitarbeitern gelungen, mit Fleiß und einer Vielzahl an Innovationen ein Unternehmen aufzubauen, das in puncto Straßen- und Tiefbau höchsten Anforderungen genügt. Auch heute noch, nach fast 90-jähriger Bauerfahrung, verlassen wir uns auf diese Tugenden, die unser Denken und Handeln täglich aufs Neue bestimmen.


Waggershauser Chronik


Am 15. März 1927 wurde die heutige Fa. Waggershauser Strassenbau – damals noch unter dem Namen Kübel & Waggershauser – als Straßenwalzbetrieb gegründet und gewerberechtlich in Weilheim an der Teck eingetragen.

Die Firma begann ihre Tätigkeit damit, Dampfwalzen einschließlich Maschinenführer im Regielohn zu vermieten. Um gegen 6.30 Uhr einsatzbereit sein zu können, musste bereits um 4.00 Uhr angeheizt werden. Beide Firmengründer – Hermann Kübel & Anton Waggershauser – „kutschierten“ zu Beginn mehrere Jahre selbst noch durch die Lande. Auftraggeber waren überwiegend Amtskörperschaften, Städte und Gemeinden und z.T. größere Straßenbaufirmen. Etwas später wurden bei Bedarf zusätzliche Arbeitskräfte für die Dauer einer Maßnahme direkt vor Ort eingestellt. Was im Volksmund fälschlicherweise auch heute noch als „Teeren” bezeichnet wird, war seinerzeit aktueller Stand der Technik. Teerspritzmaschinen verteilten Teerbindemittel. Dieses wurde abgesplittet und daraufhin festgewalzt. Schicht für Schicht ist dieser Vorgang wiederholt worden, bis ein Teer-Splitt-Gemisch in einer für die Verkehrslast erforderlichen Stärke vorhanden war. Im Oktober 1934 wurde das Grundstück Stuttgarter Straße 83 in Kirchheim erworben, welches seit diesem Zeitpunkt als Firmensitz dient.

Eine rasche wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung in den 30er Jahren ließ die Anschaffung weiterer Walzen zu und bereits ab 1935 wurde vom reinen Straßenwalzenbetrieb in Regie auf Straßenbau zu festen Einheitspreisen umgestellt. Ein großer Sprung in der Entwicklung, denn das bedeutete zwangsweise weitere Investitionen vor allem anderer Geräte, z.B. Rad-Schotterkarren, Teermaschinen, Bulldogs, Zugmaschinen und Schlepper. In gleichem Maße wurde die Ausbildung von Fachkräften begonnen und systematisch vorangetrieben. Der Beschäftigungsradius lag seinerzeit bei stattlichen 100 km. Da die Straßenwalzenzüge dies über Berg und Tal auf eigener Achse zurücklegen mussten, waren die Transportleistungen sehr zeitaufwendig. Der erste LKW – ein 3,5 Tonnen Kipper von Ford – stammte aus dem Jahr 1938 und wurde mit Flaschengas und etwas später mit Holzgas betrieben. Der Beschäftigtenstand stieg noch im selben Jahr auf über 200 Mann. Anfang 1939 konnte man 9 Motor- und 5 Dampfwalzen sein „Eigen“ nennen.

Die Kriegsjahre 1939 – 1945 brachten den regulären Straßenbau zum Erliegen. Lediglich durch die teilweise Vermietung von Straßenwalzen – manchmal auch ungewollt – konnte die „Flaute” in dieser Zeit teilweise überbrückt werden. Bis nach dem 2. Weltkrieg wurden im heutigen Steinbruch Moeck an der Grabenstetter Steige Vorlagesteine und Schotter abgebaut.

Nach Kriegsende 1945 fehlte es an allem, was ein Baugeschehen hätte schnell zur Entfaltung kommen lassen. Maschinen und Material, Betriebsstoffe, vor allem aber staatliche Finanzmittel. Zudem kam das Unternehmen unter Treuhandverwaltung.

Alles in allem führte dazu, dass sich Ende 1948 Hermann Kübel und Anton Waggershauser trennten und jeweils eigene Straßenbaufirmen gründeten. Ein neuer Zeitabschnitt begann.

Ein durch den Krieg zerbombtes Straßennetz wartete darauf, wieder instandgesetzt zu werden. Genügend Arbeit und vor allem ebenso viele Arbeitskräfte waren die idealen Voraussetzungen für einen Neustart. Dies wurde von Anton Waggershauser erkannt – und er machte sich voller Pioniergeist und ohne zu zögern daran, ganz neu anzufangen.

Die meisten Geräte waren im Krieg beim zwangsweisen Einsatz in den Balkangebieten, Russland und Polen zurückgeblieben und das wenige, was vorhanden war, wurde durch die Trennung noch aufgeteilt. So war sehr viel Handarbeit in den ersten drei Jahren des Wiederbeginns angesagt. Erst 1952 mit Einzug des ersten Seilbaggers (Fa. Dolberg 0,2 cbm Löffelinhalt) sowie 1953 mit einem 5 Tonnen LKW war schließlich die Geburtsstunde für neue Arbeitsmethoden. Zur Verlegung größerer Rohre wurden Pioneer-Panzer der Amerikaner angemietet. Eine unvorstellbar große Erleichterung aus damaliger Sicht.

Rüttelschotter mit Sandverfüllung ersetzte die Steinpacklage und sollte so die Frostgefahr besser bannen. Dies in Verbindung mit einer technischen und verkehrsmäßigen Neuorientierung, die neue Bauweisen förderte, ließ eine sprunghafte Aufwärtsentwicklung einsetzen. Alles ging nun gewissermaßen „Schlag auf Schlag”.

Ein ganzer Maschinenpark wurde in nur wenigen Jahren angeschafft. 1955 eine erste Planierraupe (Hanomag K 55) und ein erster Schwarzdeckenfertiger (Linnhoff), 1957 fünf große Teerspritzmaschinen, 4 Flächenrüttler, ein erster Grader (Avelin Austin) und – sehnlichst erwartet – ein erster großer Bagger (Menck 0,6 cbm Löffel-inhalt). Als dann 1958 die erste Heißmischanlage (Hutter) – damals noch am Standort Stuttgarter Straße – in Betrieb genommen werden konnte, war man mittendrin im Umbruch auf maschinelle Fertigung immer leistungsfähigerer Straßennetze. Das war nötig, denn der Individualverkehr wuchs enorm und auch die Autos wurden größer und schwerer, vor allem aber schneller, und verlangten nach immer komfortableren, haltbareren Straßen. Der Siegeszug der Schwarzdeckenbeläge begann. Unter anderem ein Verdienst von Ulrich Waggershauser, der offiziell Ende 1955 in das Familienunternehmen eingetreten war, und dies bereits schon während seiner Ausbildung erkannte und die Entwicklung maßgeblich mit forciert hatte.

Werkstätten – eine für Kraftfahrzeuge und eine für Baumaschinen – entwickelten sich in dieser Zeit und sorgen seitdem für einen nahezu störungsfreien Baubetrieb.

Mit einem Paukenschlag wurden die 60er Jahre eingeleitet. Das Mischwerk in der Stuttgarter Straße passte nicht in ein Gewerbegebiet. Die Stadt Kirchheim war durch Belästigung der Nachbarschaft festen Willens, das Unternehmen mit der Produktionsstätte umzusiedeln. Nachdem die flächenmäßige Ausdehnung ohnehin schwierig geworden wäre, schaute man sich nach einem neuen Gelände um. Im Gewand Birkhau (Gemarkung Lindorf ) wurde man fündig. Nach schwierigen Verhandlungen wurde dort 1961 die Aufstellung einer Mischanlage genehmigt, und so begann noch im selben Jahr der Grunderwerb. Bemerkenswert ist, dass es sich um ein nicht erschlossenes Gebiet handelte, welches auf Eigeninitiative mit Wasser, Abwasser, Strom und Telefon versorgt werden musste.

Die Zufahrtsstraße und selbst ein Teil der heutigen Kreisstraße waren ebenfalls bau- und kostenmäßig mit zu tragen. So entstand im Laufe der Zeit aus früherem Ackerland ein Bauhof mit insgesamt 100.000 Quadratmeter Größe – ein Betriebsgebäude mit Werkstatt, Unterkunftsräumen für Gastarbeiter, Wohnungen sowie einer Trafostation wurde gebaut.

Von 1962 – 1981 hatte die Firma Waggershauser einen Steinbruch in Scharenstetten in Besitz. Eine Ausweitung der Abbaugenehmigung konnte nicht erreicht werden, weshalb er wieder an die Gemeinde verkauft wurde.

Oberflächenbehandlungen fanden nur noch auf verkehrsarmen Straßen Anwendung, ansonsten gewann der bituminöse Schwarzdeckenbau weiter an Bedeutung, was dazu führte, dass in den Jahren 1961/1962 in drei weitere Wibau-Heißmischanlagen investiert wurde. Eine davon war transportabel und zuerst in Untergruppenbach (Landkreis Schwäbisch Hall) und anschließend in Uhingen stationiert. Die „Hutter“-Anlage in Lindorf wurde zu einer Kaltmischanlage umgerüstet. Außerdem kam ein Frischbetonwerk hinzu und eine 40-Tonnen Waage sowie eine Dieselkraftstoff-Tankanlage.

Durch immer vielseitigere Ausschreibungen wurden u.a. 3 Maurerkolonnen aufgebaut, welche Durchlässe und Brücken errichteten, Stützmauern, Einfriedungen und Schächte bauten. Sprengarbeiten mit eigener Sprenglizenz und eigenem Sprengstoffbunker wurden in dieser Zeit selbst durchgeführt.

Um an noch anspruchsvollere Aufgaben herantreten zu können, ergab es sich fast logischerweise, dass auch Bautechniker und Ingenieure eingestellt wurden und sich eine Verwaltung etablierte, welche eine immer fortschreitende Organisationsstruktur aufwies.

1963 wurde die Firma von einer Einzelfirma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. 1965 hielt bereits die EDV Einzug. Eigens entwickelte Programme ließen ein eigenes Rechenzentrum entstehen, welches seit damals als Servicerechenzentrum betrieben wird. Vom Lochkarten- bis zum heutigen Onlinebetrieb.

1976 war die Geburtsstunde eines ersten Auslandsengagements. Waggershauser gründete zusammen mit zwei weiteren Partnern – beide aus dem Ulmer Raum – die Auslandsbaugesellschaft TWZ Nigeria Ltd. für den dortigen Straßenbau. Heftigste politische Instabilitäten führten in einer „Nacht- und Nebel-Aktion” bereits zwei Jahre später zu einem abrupten Ende dieses Unternehmensbereichs. Was blieb war ein blaues Auge, aber viel Erfahrung.

Hatte die Firma in den 60er Jahren einmal um rund 250 Mitarbeiter, so wurde durch den immer höheren Mechanisierungsgrad und das Einbinden technischer Weiterentwicklungen der Geräte und Maschinen in den Produktionsprozess die Beschäftigtenzahl wieder zurückgefahren. In allen Bereichen.

Ob Groß- oder Kleingerät, neben höherer Leistungsfähigkeit zeichneten sich die Maschinen insbesondere durch modernste Elektronik aus. Mit geringerem Aufwand konnte ein besseres Ergebnis erzielt werden, was allein unter dem Kostenaspekt keinen Entscheidungsspielraum in der Investitionsfrage mehr zuließ.

Voraussetzung war bestens geschultes Fachpersonal. Mit dem neu aufgekommenen Ausbildungsgang „Baugeräteführer” wurde von Beginn der ersten Stunde die optimale Grundvoraussetzung dafür geschaffen.

1983 gelang es durch Recycling von gebrauchten mineralischen Straßen- und Betonbaustoffen eine Unabhängigkeit zum damals vorherrschenden Schotter- bzw. Kiesmaterial zu bekommen. Mit einem Brecher in 2. Generation mit anschließender Absiebung ist man in der Lage, qualitativ hochwertige Straßenbaustoffe zu produzieren. Zum Vorteil der Auftraggeber.

Produktionslinien wie die des Betons wurden durch Beteiligungsstrategien in eine größere und wirtschaftlich besser operierende Einheit eingebracht.

1990 verstarb der Firmengründer Anton Waggershauser. Bereits vier Jahre später, auf den Tag genau 67 Jahre nach Firmengründung, folgte ihm sein Sohn, Ulrich Waggershauser, der das Unternehmen seit 1964 verantwortlich geleitet hatte.

Nach dem Tod von Ulrich Waggershauser übernahmen dessen Söhne Stefan und Mathias die Unternehmensführung. Die Struktur derselben änderte sich. Eine Geschäftsleitung bestehend aus mehreren Personen trägt heute Verantwortung. Dies erforderte eine klare Aufgabenabgrenzung einerseits, bedeutete aber andererseits auch eine Lastverteilung.

Parallel zum Jahr 1994 trat im Marktbereich des „klassischen Straßenbaus“ eine Rezession erheblichen Ausmaßes ein, verbunden mit einem Strukturwandel. Dies hatte deutliche Spuren am Baumarkt hinterlassen. Viele, einst renommierte Firmen verschwanden vom Markt, weil Sie im „Konzert“ mit dem Handel osteuropäischer Dienstleistungen nicht mit großen Baufirmen und deren Möglichkeiten Schritt halten konnten. Durch neu hinzugenommene Geschäftsfelder, z.B. der des Deponiebaues, dem weiten Feld der Umwelttechnik, intensiver Immobilienbewirtschaftung, und anderem mehr, gelang es aber sehr gut, sich der neuen Situation anzupassen.

Weitere technische, teilweise bahnbrechende Fortschritte insbesondere auf dem Gebiet des Asphaltmischens, und die konsequente Umsetzung der Bauprojekte mit eigenen, bestens ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern durchführen zu können, versetzen uns täglich in die Lage komplexe Anforderungen zu erfüllen. Das stimmt uns für die Zukunft positiv. Daneben wird sich eines in absehbarer Zeit mit Sicherheit nicht ändern: Menschen brauchen Straßen und Wege um ihrer persönlichen Mobilität gerecht zu werden. Diese Mobilität ist zu einem unschätzbar hohen Gut jedes einzelnen herangewachsen. Und es ist etwas, auf das eine höchst technologisch ausgerichtete und schnelllebige Gesellschaft nicht verzichten kann. Wir werden also weiterhin unseren Teil dazu beitragen. Mit dem Bau dieses hohen Gutes – Mobilität für Menschen.